Commercials / Lesezeit: ca. 4 Min.

Ein Commercial, mehrere Formate: TV, YouTube und Social schon im Konzept mitdenken

Wenn ein Commercial auf mehreren Kanälen eingesetzt werden soll, müssen die Fassungen vor dem Dreh geplant werden. Unterschiedliche Seitenverhältnisse, Längen und Nutzungssituationen beeinflussen Bildaufbau, Erzählung und Ton. Ein fertiger Hauptspot lässt sich nicht immer sinnvoll nachträglich in jede gewünschte Variante verwandeln.

Die gemeinsame kreative Idee kann erhalten bleiben. Ihre Umsetzung muss sich jedoch so anpassen lassen, dass jede Fassung verständlich ist und ihre Aufgabe erfüllt.

Eine Planerin entwickelt aus einem Storyboard passende Fassungen eines Werbespots für Fernseher, Laptop und Smartphone.

Definiere die unverzichtbare Aussage

Frage zunächst, welcher Gedanke in jeder Version ankommen muss. Dazu gehören möglicherweise ein Produktnutzen, ein Markenmoment oder eine konkrete Handlung. Nicht jedes Detail des Hauptspots ist dafür notwendig.

Unterscheide zwischen Kern und Ausgestaltung. Der Kern verbindet die Fassungen. Die Ausgestaltung kann variieren: Ein längeres Video entwickelt eine Situation, während eine kurze Fassung einen einzelnen Moment nutzt.

Wenn die Idee nur mit einer langen Vorgeschichte verständlich wird, sollte das Konzept für kurze Varianten eine eigene Lösung enthalten. Das ist eine kreative Aufgabe und kein reines Exportproblem.

Erstelle eine Fassungsmatrix

FassungVorab zu klärenKonsequenz für die Produktion
HauptspotAussage, Ablauf und vorgesehener EinsatzVollständige Szenen und passende Übergänge
Kurze VarianteWelcher Gedanke bleibt erhalten?Eigenständig verständliche Kombination von Motiven
HochformatWas muss gleichzeitig im Bild sein?Geeignete Komposition oder zusätzliche Einstellung
SprachversionWelche Sprachelemente ändern sich?Anpassbare Texte, Tonspuren und Grafiken
Variante für ein AngebotWelche Information ist zeitgebunden?Austauschbare Elemente und klarer Freigabeweg

Die Matrix sollte konkrete Anforderungen des Projekts enthalten. Pauschale Formatlisten helfen wenig, wenn später niemand weiß, wofür eine Datei gebraucht wird.

Komposition lässt sich nicht beliebig nachholen

Wenn Person, Produkt und Handlung weit auseinander liegen, kann ein enger Hochformat-Ausschnitt die Aussage zerstören. Deshalb muss am Set bekannt sein, welche Fassungen entstehen sollen.

Manchmal reicht eine bewusst geplante Bildgestaltung. In anderen Fällen sind zusätzliche Einstellungen sinnvoll. Auch Einblendungen brauchen Platz, ohne das Wesentliche zu verdecken. Prüfe deshalb nicht nur das Kamerabild, sondern die spätere Kombination mit Text und grafischen Elementen.

Dasselbe gilt für den Ton. Wenn eine Erklärung nur über Sprache funktioniert, muss überlegt werden, wie sie in einer Nutzungssituation ohne aktivierten Ton verständlich bleibt. Untertitel können helfen, ersetzen aber nicht in jedem Fall eine klare visuelle Darstellung.

Ein Cutdown braucht eine eigene Dramaturgie

Ein Cutdown ist eine kürzere Fassung eines bestehenden Spots. Die Kürzung sollte sich daran orientieren, welche Schritte für das Verständnis notwendig sind. Einfach Anfang oder Ende abzuschneiden, kann die Geschichte unverständlich machen.

Prüfe jede Fassung unabhängig: Ist der Einstieg nachvollziehbar? Wird die zentrale Aussage verständlich? Ist der Abschluss passend? Bleiben notwendige Bedingungen oder Einschränkungen erhalten?

Kurze Fassungen können mit anderen Motiven beginnen als der Hauptspot. Sie sollten trotzdem dieselbe Marke und denselben inhaltlichen Kern transportieren.

Beispiel: Eine Produktidee mit mehreren Anwendungen

Ein konstruiertes Szenario: Eine Marke möchte zeigen, wie ein Produkt eine alltägliche Aufgabe vereinfacht. Der Hauptspot erzählt die gesamte Situation. Eine kurze Fassung zeigt nur den entscheidenden Anwendungsschritt. Eine weitere beantwortet eine häufige Frage zur Handhabung.

Bereits im Konzept wird festgelegt, welche Aufnahmen diese Fassungen tragen. Die Produktion nimmt die notwendigen Übergänge und Details mit auf. Im Schnitt entstehen daraus unterschiedliche, aber zusammengehörige Videos.

So wird die Variantenplanung Teil der Idee. Sie ist nicht erst eine Bitte, nachdem das Set abgebaut wurde.

Technische Abnahme und Nutzung gehören dazu

TV, Plattformen und andere Ausspielpartner können unterschiedliche Lieferanforderungen haben. Hole die aktuellen Vorgaben der tatsächlichen Empfänger ein, statt auf allgemeine Standardwerte zu vertrauen. Lege fest, wer Dateien, Ton, Einblendungen und mögliche Pflichtangaben prüft.

Auch der vereinbarte Nutzungsumfang muss zu den geplanten Fassungen und Kanälen passen. Musik, Mitwirkende und fremdes Material können eigene Bedingungen haben. Eine neue Verwendung sollte deshalb nicht erst beim Upload auffallen.

Was treibt den Aufwand?

Zusätzliche Exporte sind etwas anderes als neue Geschichten. Eine reine technische Variante kann vergleichsweise wenig redaktionelle Arbeit benötigen. Eine Fassung mit anderer Aussage, neuen Aufnahmen oder zusätzlicher Sprache ist ein anderer Umfang.

Kalkuliere deshalb nach Entscheidungen und Arbeitsschritten: Konzeption, benötigte Motive, Produktion, Schnittvarianten, Sprachfassungen, Rechte und Abnahme. So können Angebote sinnvoll verglichen werden.

So bereitest du den nächsten Commercial vor

Schreibe die zentrale Aussage auf und liste die tatsächlich benötigten Einsätze. Erstelle daraus eine erste Fassungsmatrix. Markiere, was in jeder Version enthalten sein muss und was variieren darf.

Bei der Konzeption entwickeln wir die Idee zusammen mit ihren Anwendungen. Die Produktion kann dadurch von Anfang an auf die benötigten Fassungen ausgerichtet werden.

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