1. Welches Problem soll Social Media für euch lösen?
„Mehr Reichweite“ ist als Auftrag unvollständig. Wollt ihr ein neues Angebot bekannt machen, passende Erstgespräche gewinnen, eure Expertise erklären oder Bewerber erreichen? Diese Aufgaben brauchen unterschiedliche Inhalte und Anschlusswege.
Formuliert ein vorrangiges Ziel für die nächste Arbeitsphase. Zum Beispiel: „Interessenten sollen vor einem Erstgespräch verstehen, für welche Projekte unser Angebot geeignet ist.“ Dahinter kann Neukundengewinnung stehen. Das Video allein schließt aber keinen Auftrag ab: Website, Erreichbarkeit, Angebot und Vertrieb gehören dazu.
Haltet auch fest, welche Aufgabe gerade nicht im Fokus steht. Ein kleines Team kann nicht jede Zielgruppe auf jedem Kanal gleich intensiv betreuen. Diese Priorisierung ist Teil der Strategie, kein Eingeständnis fehlender Kreativität.
2. Was zeigt euer bisheriger Auftritt?
Ein Social-Media-Audit sollte mehr liefern als eine Liste hübscher und weniger hübscher Beiträge. Schaut auf eine zusammenhängende Auswahl eurer bisherigen Inhalte und verfolgt den Weg nach dem ersten Kontakt.
- Auftritt: Versteht jemand ohne Vorwissen, was ihr anbietet und für wen?
- Inhalte: Welche Kundenfragen beantwortet ihr tatsächlich? Welche bleiben offen?
- Resonanz: Wer reagiert fachlich, wer fragt nach, welche Kontakte passen zu eurem Angebot?
- Anschluss: Wohin führt der Profil- oder Anzeigenlink? Was passiert nach einer Anfrage?
- Machbarkeit: Welche Formate bekommt ihr regelmäßig produziert und freigegeben?
Trennt Beobachtungen von Vermutungen. „Viele Aufrufe, wenige Anfragen“ beweist nicht, dass die Videos schlecht sind. Vielleicht fehlt ein nächster Schritt, vielleicht erreicht ihr die falschen Personen, vielleicht ist die Zuordnung unvollständig. Das Audit soll diese Fragen sichtbar machen.
3. Wen wollt ihr erreichen – und in welcher Situation?
Alter, Branche und Unternehmensgröße können helfen. Für die Themenentwicklung ist aber entscheidend, welche konkrete Entscheidung ein Mensch treffen muss. Eine Marketingleiterin, die ein Produktionsteam sucht, hat andere Fragen als jemand, der gerade zum ersten Mal einen Reel schneidet.
Sammelt echte Fragen aus Beratung, Vertrieb und Kundenservice. Notiert, was Menschen vergleichen, befürchten und intern begründen müssen. Eine brauchbare Beschreibung lautet etwa: „Marketingverantwortliche mit einem laufenden Content-Bedarf, aber ohne eigene Produktionskapazität.“ Das ist handlungsnäher als „alle Unternehmen mit Wachstumspotenzial“.
Haltet außerdem fest, wer mitentscheidet. Ein fachlicher Nutzer kann von einem Video überzeugt sein, während Einkauf oder Geschäftsführung noch Informationen zu Aufwand und Zusammenarbeit brauchen. Eure Inhalte müssen nicht alle gleichzeitig bedienen, aber diese Unterschiede kennen.
4. Welche Botschaft soll hängen bleiben?
Formuliert in einem Satz, bei welchem Problem ihr helft und wodurch eure Arbeit nachvollziehbar wird. Verwendet dafür konkrete Leistungen, Abläufe oder freigegebene Beispiele. „Wir sind innovativ“ gibt einem Produktionsteam wenig Orientierung. „Wir planen die unterschiedlichen Videoeinsätze vor dem Dreh mit“ lässt sich zeigen.
Daraus entstehen Themenfelder. Für einen technischen Dienstleister könnten das typische Fehler bei der Auswahl, Einblicke in die Umsetzung und Antworten auf Fragen zur Zusammenarbeit sein. Drei klar begründete Themenfelder sind als Start oft besser handhabbar als eine lange Liste unverbundener Ideen. Das ist eine Planungsempfehlung, keine Plattformregel.
Der Zusammenhang zu Social Selling entsteht dort, wo Inhalte fachlichen Austausch ermöglichen und passende Kontakte weiterkommen. Nicht jeder Beitrag muss eine Anfrage verlangen. Er sollte aber eine erkennbare Aufgabe haben.
5. Welcher Kanal bekommt welche Aufgabe?
Wählt Kanäle nach erreichbaren Menschen, Nutzungssituation und verfügbarem Material. Die Frage lautet nicht nur „Wo sind unsere Kunden?“, sondern auch: „Womit können wir dort sinnvoll an ihre Fragen anschließen?“ Ein fachlicher Austausch, eine Produktsuche und ein unterhaltsamer Feed sind unterschiedliche Situationen.
Auch der LinkedIn-Planungsleitfaden verknüpft Inhalte mit Zielen und passenden Kennzahlen. Daraus folgt jedoch keine automatische Empfehlung für LinkedIn: Der passende Kanalmix hängt von eurem konkreten Angebot ab.
Unterscheidet organische Veröffentlichung, persönliche Kommunikation und bezahlte Verbreitung. Entscheidet, wo ihr mit vorhandenen Kontakten arbeitet und wo ihr zusätzliche Reichweite einkaufen wollt. Ein Dreh kann mehrere Einsatzorte bedienen, wenn Bildausschnitt, Botschaft und Varianten früh berücksichtigt werden.
6. Wie sieht ein brauchbares Strategie-Ergebnis aus?
Das folgende konstruierte Beispiel zeigt ein kompaktes Ergebnis für einen Anbieter von Wartungsleistungen. Es beschreibt keine echte Kundenkampagne und enthält keine Erfolgsprognose.
| Entscheidung | Beispiel für das Strategiebriefing |
|---|---|
| Geschäftsziel | Passende Gespräche über regelmäßige Wartung gewinnen. |
| Zielgruppe | Betriebsverantwortliche, die Ausfälle reduzieren und Servicepartner vergleichen. |
| Zentrale Frage | Woran erkenne ich, ob mein aktueller Wartungsablauf Lücken hat? |
| Inhaltliche Aufgabe | Einen prüfbaren Fehler erklären und den eigenen Ablauf zeigen. |
| Produktion | Ein Gespräch mit einer Fachperson und passende Detailaufnahmen am Einsatzort. |
| Ausspielung | Fachbeitrag mit Video; bezahlte Verbreitung nur mit eigenem Test- und Budgetplan. |
| Nächster Schritt | Eine Seite mit Voraussetzungen und einer konkreten Kontaktmöglichkeit. |
| Auswertung | Fachlich passende Rückfragen, qualifizierte Anfragen und deren weitere Entwicklung. |
Ein solches Briefing ersetzt keinen Drehplan. Es macht aber begründbar, welche Szenen, Aussagen und Varianten im Produktionsprozess gebraucht werden. Aus „Wir brauchen ein Video“ wird eine Aufgabe, an der mehrere Beteiligte arbeiten können.
7. Wer macht es – und woran lernt ihr weiter?
Legt Verantwortliche für Themen, fachliche Prüfung, Produktion, Veröffentlichung und Antworten fest. Vereinbart, wer Feedback bündelt und wer final freigibt. Ein realistischer Veröffentlichungsrhythmus ergibt sich auch aus diesen Kapazitäten.
Plant die Auswertung vor dem Start. Welche Kontakte zählen als qualifiziert? Wo werden sie erfasst? Welche Rückmeldungen aus Gesprächen erreichen das Content-Team? Klicks und Aufrufe helfen bei Teilfragen, ersetzen aber keine Prüfung der geschäftlichen Passung.
Ein Redaktionsplan ist danach der nächste Schritt. Wenn noch unklar ist, wen ihr erreichen wollt oder welche Botschaft ihr vertreten könnt, kaschiert ein voller Kalender diese Lücke nur. Wenn die Richtung dagegen steht, braucht ihr möglicherweise vor allem Produktion oder Training für euer Team.
Wann ist Beratung sinnvoll?
Consulting passt, wenn Entscheidungen über Zielgruppe, Positionierung, Kanäle oder Zusammenarbeit offen sind. Ein Workshop kann diese Entscheidungen gemeinsam vorbereiten. Coaching passt eher, wenn die Richtung geklärt ist und Menschen bestimmte Aufgaben selbst beherrschen sollen.
Prüft eure vorhandene Strategie mit einer einfachen Frage: Kann eine neue Kollegin daraus ableiten, welches Video als Nächstes gebraucht wird und warum? Wenn nicht, ergänzt die fehlende Entscheidung, bevor ihr weitere Themen sammelt.
In unserem Consulting verbinden wir diese Entscheidungen mit Produktion und Ausspielung. Du kannst die Richtung mit uns erarbeiten und anschließend mit deinem Team umsetzen – oder die nächsten Schritte gemeinsam mit uns gehen. Lass uns GROSS denken.
